In der Stille deiner geschlossenen Lider
liegst du und atmest neben mir.

Ich weiß nicht, wann es aufgehört hat,
aber ich weiß noch wie es war.

 

 

 

 

 

 

Bild: Christoph Kehl, Gras, flickr, Attribution-NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-ND 2.0)
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Um etwas herum reden, ewige Geheimniskrämerei.
Da kommt man ja erst auf Ideen.
Mord, Totschlag, Kronzeugenregelung, Vergewaltigung, Spitzel, Polizist, Ehebruch, Kinder, Geschlechtskrankheiten, Stalkingopfer, psychische Erkrankung, Heiratsschwindler, Knast- um nur die markantesten zu nennen.
Wohlwollend könnte man es eigen oder schräg nennen.

Und ich frage mich, wo Du bist und wie es sich lebt an diesem unbekannten Ort.

Bild: publicdomainreview

Gretchen_im_Kerker_(Faust_I),_Margret_Hofheinz-Döring,_Linolschnitt,_1964

Wie atmet rings Gefühl der Stille,
Der Ordnung, der Zufriedenheit!
In dieser Armut welche Fülle!
In diesem Kerker welche Seligkeit!

Bild: Margret Hofheinz-Döring/ Galerie Brigitte Mauch Göppingen [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Papieren

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Eine Fremdheit wie sie nur aus größter Vertrautheit entstehen kann.
Zwei Kometen, die sich streifen sind wir nur in der größten Gefahr uns nah und erschöpft wenn sie vorbei. Erschöpft wenn sie vorbei und leer.
Wir haben uns geliebt heisst nichts anderes als wir haben uns geliebt.
Vorbei vorbei lieblieb.
Wir wollten uns lieben so gerne hatten wir die Idee von unserem Wir.
Wir standen uns gut. Einer auf den anderen.

In der Sierra lege ich deine Brille vor das Hinterrad während du Zigaretten an der Tankstelle holst. Du hast nie erfahren was passiert ist. Unausgekostete Rache.
Inzwischen herzkrank, wie dein früh verstorbener Onkel, die Lippen blau.
Ein Straßenheld.

An einem Blatt Papier schneide ich mich.
Tiefer geht es nicht.

Bild: Ausschnitt von: „Sharpened pencil next to sheet paper“ von Thomaseagle – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sharpened_pencil_next_to_sheet_paper.jpg#/media/File:Sharpened_pencil_next_to_sheet_paper.jpg

Ach

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Der Abschied steckt uns im Hals wie ein trockener Klumpen und wir lachen über ihre Strümpfe.
Weiss und ausgeleiert wie Altherrenunterhosen.
Hab ich geschenkt bekommen. Kann man noch zum Schuhe putzen nehmen, schön weich.
Auf der Insel, die ihr Zuhause sein wird braucht sie keine putzbaren Schuhe mehr.
Wie lange kennen wir uns jetzt? Sieben Jahre, oder acht?

Dass das immer so weh tun muss. Nie gewöhnt man sich daran.
Besser als ein Geh doch.
Ich hab sie so gern.

Kein Telefon, keine e-mail.
Recht hat sie.

Meldest Du Dich, falls Du wieder nach Berlin kommst?
Na klar!

 

 

 

Bild: License: CC0 Public Domain / FAQ
Free for commercial use / No attribution required

Zwei Zimmer

Rosa Rosen.
Zu müde oder zu eitel die Türe zu öffnen. Das Licht löschen. Tot stellen.
Ich bin vor dem Haus. Nur 3 Minuten, bitte.
In unserer stummen Umarmung sein duftendes T-Shirt.  Ich möchte nach dem Waschmittel fragen. Breite Schultern, breite Nase. Spuren der Boxerkarriere.

Mach dir keine Sorgen, wir kriegen das hin. Ich weiß von einer leerstehenden Fabriketage.
Irgendwo im Norden gibt es ein Haus auf einem alten Friedhof, da fragen wir nach.

Ich alpträume meinen Auszug.
So treffend das Bild des entwurzelten Baumes.
Es sind nur zwei Zimmer.
Die ich seit 15 Jahren bewohne.
Meine Handschrift.
Hier habe ich gelebt.
Ich will bleiben.

Draußen läuten die Glocken zum Gottesdienst.
Mein Dorf.
Herzschmerzen.

Lange Schatten

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Beinahe ausgerottet nistet der Gartenrotschwanz im Schutz des Gesetzes.

Am Nachmittag, nach seiner Abreise, ziellos durch die Straßen gegangen.
Leben leben.
Dieser merkwürdige Park am ärmlichen Ende der Friedrichstraße. Schlanke Häuser mit grünen Augenlidern.
Fingernagelsalon, Spielhalle, kik. Get a prayer for free.

Hedemannstraße. Zwei langgezogene, sich gegenüber stehende, Blöcke.
Auf der Nordseite das Haus der Fuhrgewerbeinnung/ früher Droschken, heute Omnibusse.
Auf der Südseite 70er-Jahre-Beton, Würfelbalkone im gleißenden Licht der tiefstehenden Sonne./ Lange Schatten.
Unzählige Schicksale wurden an diesem Ort besiegelt. Bis Kriegsende stand hier das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS.

Der Fachverkäufer bei Fressnapf sieht unglücklich aus. 3 Fellmäuse für die Katze.

Am Anhalter Bahnhof hole ich einen Kaffee im Wolken-Hochhaus. Selbst hier trägt der Bartender Bart und blaue Augen, in seinem Habitus schlummert der Punk.
Zwei junge Frauen mit Kopftuch sitzen teetrinkend am Fenster. Über die souveräne Anmut der Einen vergesse ich meinen Anstand. Sie übergeht mein Gegaffe mit freundlicher Nichtbeachtung.

Unterdessen versinkt die glühende Sonne hinter den weißen Dachzacken des Tempodroms.
Filigranes Geäst im pudrig-matten Februarhimmel. Die Silhouette des zerbombten Bahnhofsportals.
Der stille Bolzplatz.

Auf dem Rückweg bläst mir kalter Ostwind ins Gesicht. Ich friere.

Später, in der Wohnung, überkommt mich die klaffende Traurigkeit seiner Abwesenheit.
Bis Mitternacht sitze ich vor dem Rechner, um nicht ins Bett gehen zu müssen.
Sonderbare Da-Wanda-Welt. Unbekannter Filz- und Handarbeits-Kosmos.

Wider Erwarten schlafe ich gut und erwache am Morgen voller Zuversicht.
Draußen turnen Spatz und Rotkehl frühlingserwacht auf den Zweigen der Rispenhortensie umher.

Dann der Anruf des Vermieters. Eine gute und eine schlechte Nachricht.
Die Gute: der nachbestellte Wohnungsschlüssel ist abholbereit.
Die Schlechte: ich werde ihn bald nicht mehr brauchen.
Eigenbedarf.

Erdrutsch. Tränen.

 

 

Bild: By Assenmacher (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Hegel, mi amor?

Dass derselbe kultivierte Mensch, der
dieses Haus
mit seiner zeitlosen, klaren Ästhetik und Schlichtheit erschuf,
dass dieser ungewöhnliche Mensch als Lehrer einen 11-jährigen Schüler bewusstlos schlug,
ist mir unvorstellbar.

Überhaupt: Widersprüche ertragen. Die dunkle Seite der Menschen, die man bewundert.
Charakterzüge, zu ihnen gehörend, wie alles andere. Gegenpart des Schönen.

(Hegel, mi amor?)

Erwachsensein spielen. Tapferkeit.
Abschiedstränen mit Vernunft trocknen.
Wir sehen uns ja wieder, mein Herz.
Als risse nicht der Schmerz an der Seele wie ein Tier.

Wie oft muss ich schlafen, bis Du wieder bei mir bist?

 

 

 

beam me up

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Kaum der Versuchung widerstehen können
sich zu erkennen
zu geben.
Stunden im dunklen Keller.
Die Spinnweben, der feuchte Stein, der tickende Gaszähler.
Die eingemauerten Leichen.
Das Rauschen der Straße, entfernte Absätze, vergittertes Fensterloch.

Niemand der dich vermisst.

Auch das Kind weiß schon um die Erbärmlichkeit des Märtyrers, der sich selbst rühmt.
Vergeblichkeit.

Bild:photo credit: <a href=“http://www.flickr.com/photos/8139713@N06/15507047833″>Dies ist ein Keller</a> via <a href=“http://photopin.com“>photopin</a&gt; <a href=“https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/“>(license)</a&gt;