In der Stille deiner geschlossenen Lider
liegst du und atmest neben mir.

Ich weiß nicht, wann es aufgehört hat,
aber ich weiß noch wie es war.

 

 

 

 

 

 

Bild: Christoph Kehl, Gras, flickr, Attribution-NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-ND 2.0)
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sonnenrochen

Vor Urzeiten sind wir aus dem Meer an Land gekrochen, haben uns zum Trocknen an den Strand gelegt und gewartet, bis uns Füße wuchsen.
Wir stakten durch den Sand und hinterließen eine längst versteinerte Spur.

Dann warfen wir eine Münze ins Wasser und wünschten uns etwas.

 

Deine Füße streifen meine.
Deine Hände öffnen meine Beine.

Bild: Sonnenrochen/Fossilien.de

about you

Gräte im Hals.
Kleine Unstimmigkeiten, bereitwilliges Missverstehen.
Erneuerung im Streit. Entfernung schaffen, Abstand gewinnen.
Das Gewicht spüren, das der Verlust des Anderen mit sich brächte.
Den Riss, Schmerz. Bluten aus fiktiven Wunden.
Zäher Schlamm, durch den wir uns kämpfen. Gekämpft haben.

Heilen heil werden.

Dreh Dich ein mal herum. Der Zeigefinger zeichnet einen Kreis in die Luft.
Du bist streitsüchtig, sage ich und Du lachst.

Moos

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Während mein ökologischer Reifenabdruck eine tiefe Furche in die Welt eggt, kümmere ich mich andernorts um Aufforstung.
Die Vergeblichkeit meiner Bemühungen schmälert nicht ihren Wert.
Draußen schüttet es aus Eimern, drinnen dasselbe. Das Wasser läuft über mein Gesicht, ich atme Chlor, es hallt in den Ohren.

Wenn Lava die Eingeweide der Erde sind, was ist dann Öl?
Es ist Juni, irgendwer hat Geburtstag, Regen prasselt auf die Dächer, die Bäume werden nass.

Mir ist so.

Gretchen_im_Kerker_(Faust_I),_Margret_Hofheinz-Döring,_Linolschnitt,_1964

Wie atmet rings Gefühl der Stille,
Der Ordnung, der Zufriedenheit!
In dieser Armut welche Fülle!
In diesem Kerker welche Seligkeit!

Bild: Margret Hofheinz-Döring/ Galerie Brigitte Mauch Göppingen [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Abketten

Was wie ein Neuanfang aussieht ist der Abschluss von etwas. Das Abketten, beim Stricken.
Bocksprung der einen Masche über die nächste, die dadurch verschwindet. Keine Zauberei.
Am Ende ist das Strickstück fertig, die losen Fäden sind vernäht.

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Die neue Frisur ist nur ein Symptom.
Uma Thurman, höre ich und beschwere mich nicht.

Lavandería brillante

Rostock, Südstadt, Wohnblocks, Wäscheleine

Etwas, das alles wieder rein wäscht.
Etwas, das alles sauber und schön macht. Nicht wie der Regen den Himmel, nass und kalt und klar für einen kurzen Moment und dann kommen sie doch wieder, die dunklen Wolken.

Etwas mit Lotoseffekt. Totoalversiegelung.
Eine große Reinigung mit Politur.

Nicht Hochglanz, sondern seidenmatt.

Das wäre schön.

Bild:
Bundesarchiv, Bild 183-D0630-0008-001 / CC-BY-SA

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Ebenso gut könnte ich Liebesbriefe schreiben.
Doch die Zufälligkeit, zumindest des Zeitpunktes, macht es so anders. Die verborgene Öffentlichkeit.
Wann wirst du die Worte entdecken, die dir gelten?
Verschlossene Kuverts unter vermoostem Stein,
ein Transparent, gespannt über eine schmale, vergessene Gasse, irgendwo zur Mittagsstunde. Flatternde Wäsche, leises Klappern aus geöffneten Sommerfenstern. Etwas, der Zufall oder eine Ahnung, lenkt Deinen Blick nach oben.
Eine Kugelschreiberkritzelei im Aufzug oder neben den Briefkästen.
Ein Aufkleber an unserer Bank.
Du weißt es und du erkennst es.

Das Leben, das nach sich greift. Beständig und ohne Ziel.

Auf alten Fotografien sind es stets die Haustiere, vornehmlich Hunde, über deren Statistenrolle ich nachdenke. Stumm, in der Seitenansicht.
Lange schon nebeneinander im Garten begraben, wenn auch am anderen Ende der Leine die Hand müde nach unten sinkt.

 

 

Foto: By ChrisV (Own work) [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)%5D, via Wikimedia Commons