sonnenrochen

Vor Urzeiten sind wir aus dem Meer an Land gekrochen, haben uns zum Trocknen an den Strand gelegt und gewartet, bis uns Füße wuchsen.
Wir stakten durch den Sand und hinterließen eine längst versteinerte Spur.

Dann warfen wir eine Münze ins Wasser und wünschten uns etwas.

 

Deine Füße streifen meine.
Deine Hände öffnen meine Beine.

Bild: Sonnenrochen/Fossilien.de
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Um etwas herum reden, ewige Geheimniskrämerei.
Da kommt man ja erst auf Ideen.
Mord, Totschlag, Kronzeugenregelung, Vergewaltigung, Spitzel, Polizist, Ehebruch, Kinder, Geschlechtskrankheiten, Stalkingopfer, psychische Erkrankung, Heiratsschwindler, Knast- um nur die markantesten zu nennen.
Wohlwollend könnte man es eigen oder schräg nennen.

Und ich frage mich, wo Du bist und wie es sich lebt an diesem unbekannten Ort.

Bild: publicdomainreview

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Wir stöhnen und
keiner zugegen die Schreie zu sehen.
Stumm, wenn sie erhört.
Kehlig nach innen. Gestülpt, voll Erde und Öl.
Ohne Hall für nichts Lebendiges (darin).
Was atmet.
Dahinter ein Weg und überall Ferne (auch in der Enge).
Weit ins Außen,
wo die Fremde nicht größer (sein kann).

Foto: By Joris Egger (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Glückswalze

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Die Erfüllung, die Suche war (und umgekehrt).
Der Reichtum des großen Basars, die Hand, die über Stoffballen gleitet. Was sich daraus machen ließe.
Am Abend ist der Markt menschenleer.

Der Blick in eine andere Welt, mit leicht geöffneten Lippen.
Abgewandt und zugewandt.

Das Versprechen.
Die Glückswalze.

Ist das Leben überdacht oder spielt es im Freien?

Bild: August Macke [Public domain], via Wikimedia Commons

Abketten

Was wie ein Neuanfang aussieht ist der Abschluss von etwas. Das Abketten, beim Stricken.
Bocksprung der einen Masche über die nächste, die dadurch verschwindet. Keine Zauberei.
Am Ende ist das Strickstück fertig, die losen Fäden sind vernäht.

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Die neue Frisur ist nur ein Symptom.
Uma Thurman, höre ich und beschwere mich nicht.

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Ebenso gut könnte ich Liebesbriefe schreiben.
Doch die Zufälligkeit, zumindest des Zeitpunktes, macht es so anders. Die verborgene Öffentlichkeit.
Wann wirst du die Worte entdecken, die dir gelten?
Verschlossene Kuverts unter vermoostem Stein,
ein Transparent, gespannt über eine schmale, vergessene Gasse, irgendwo zur Mittagsstunde. Flatternde Wäsche, leises Klappern aus geöffneten Sommerfenstern. Etwas, der Zufall oder eine Ahnung, lenkt Deinen Blick nach oben.
Eine Kugelschreiberkritzelei im Aufzug oder neben den Briefkästen.
Ein Aufkleber an unserer Bank.
Du weißt es und du erkennst es.

Das Leben, das nach sich greift. Beständig und ohne Ziel.

Auf alten Fotografien sind es stets die Haustiere, vornehmlich Hunde, über deren Statistenrolle ich nachdenke. Stumm, in der Seitenansicht.
Lange schon nebeneinander im Garten begraben, wenn auch am anderen Ende der Leine die Hand müde nach unten sinkt.

 

 

Foto: By ChrisV (Own work) [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Gartenanteile

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Schneidender Ostwind auf der Warschauer Brücke.
Vor dem Eingang zum RAW ein paar tippelnde Dealer, Schultern hochgezogen, Hände in den Hosentaschen.

Immer an der alten Backsteinmauer entlang.
Friedrichshainer Dreads und Lippenpiercings.
Schwarz natürlich. Große Hunde. Wind.

Die Wohnung liegt im Travekiez.
Ich stehe vor dem Haus und weiß, dass ich hier nicht leben werde.
Keine Parks, staubige Kinderverwahrplätze. Eltern.
Nicht meine Gegend.

Heute zwei Wohnungsbesichtigungen in Kreuzberg.

teuer

teuer

zu teuer

Anschauen, was man sich nicht leisten kann.
Mit Maklern telefonieren. ( Ich sogemol so, Frau X.)

What exactly does Klinkenputzen mean?

Tierhaltung, Gartenanteile, Mitbenutzung.

Wannenbad, innenliegend,
Stuckelemente, original
Dachgeschoss, ausgebaut.

Hochwertig.
Im Kommen.

Satie ordnet den Kopf. Wie kaltes, klares Wasser.

Roehrensee at the German language Wikipedia [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)%5D, via Wikimedia Commons
U-Bahnhof Warschauer Brücke, 1992

leisurely

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Am letzten Nachmittag vor seiner Abreise treffen wir uns beim einsamen Reiter an der Humboldt-Uni.
Mit dem Auto kurven wir ein wenig durch das alte West-Berlin.
Die Technische Universität, der Staub von gestern. Große Namen.

Der ewige Kreisel.

Weiter draußen die Westend-Terrassen, Wiederauflage einer 50er-Jahre-Tristesse.
Schultheiss-Kneipen. Zur Haltestelle.

Beim Renaissance-Theater halten wir in zweiter Reihe, um einen Kaffee zu holen.
Ein vollbärtiger Mittdreißiger mit Hut  läuft vorbei.
Wir scherzen über den neuesten Spleen: lumber sexuality.
Die Axt im Walde, der Holzfäller im Bett.

V. isst einen dunklen, schweren Schokoladenkeks.
Sein zufriedenes, schmales Gesicht wenn er schlemmt.
Das Jungenhafte in seinen Zügen.

Unser Beisammensein nach seinen Studierstunden, die Bereicherung und Wärme, die er in mein Leben bringt.
Er zeigt mir Fotos der Wittgenstein´schen Villa in Wien. Abbild eines klaren Geistes.
Beeindruckende Eleganz und Schlichtheit. So würde ich wohnen wollen.
Er auch.

Bild: „Berlin-tiergarten vws 20050404 p1020295“ von Georg Slickers – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Berlin-tiergarten_vws_20050404_p1020295.jpg#mediaviewer/File:Berlin-tiergarten_vws_20050404_p1020295.jpg

Das hermetische Feld

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M’illumino / d’immenso“
Giuseppe Ungaretti

Sich davon stehlen. Ohne den Schutz der Nacht oder den Vorwand eines Zerwürfnisses.
Am  lichten Tage.
Aus dem Hause treten, vorsätzlich.
Kein Weg, nur Gebiet, leibhaftig.
Die Linien zwischen den Platten, Rücken als Lotsen.
Fährten aufnehmen. Kleine Wendungen im ständigen Vorwärts.

Hinter mir: das hermetische Feld.

(Foto: Sascha Peter Herbert Reichert, fotocommunity, cc-Lizenz: http://fc-foto.de/18697495)